Zoo Karlsruhe: Erweiterung des Elefantenhauses nach der Brandkatastrophe

Vereinsanfrage während der Umbauarbeiten bezüglich der Sicherheitsvorkehrungen

Nicht nach den ersten beiden Anfragen, sondern gleichzeitig mit unserem dritten Versuch zur Kontaktaufnahme zur Leitung des Zoos Karlsruhe, erhielten wir Post zunächst der Direktorin Frau Dr. v. Hegel, nachfolgend auch von ihrem Vorgesetzten, dem für den Zoo zuständigen Bürgermeister der Stadt Karlsruhe. Kurz zusammengefasst beantwortet keiner dieser Briefe unsere Frage nach dem Einbau fernbedienbarer Tore im Zuge der Erweiterung des Elefantenhauses. Verwiesen wird stattdessen auf den kompletten Neubau im Zuge der Zooumgestaltung.

    Einige Aussagen möchte Elefanten-Schutz Europa jedoch hinterfragen:

    Die Meinung, erst bei der im Rahmen des Zooausbaus geplanten Elefantenzuchtanlage auf sicherheitstechnische Aspekte Rücksicht nehmen zu müssen, ist viel zu kurz gedacht und gefährdet das Leben der Elefantenpfleger noch auf viele Jahre.
    Die ursprünglich angedachte Fertigstellung (!) für 2015 ist inzwischen unmöglich. Auch ein Baubeginn „in naher Zukunft“ dürfte illusorisch sein: Bei der Haushaltslage der Stadt Karlsruhe sowie dem Ringen um die Gelder für ein geplantes Exotenhaus (10 – 18 Mio. Euro) wären ansonsten sicher keine 880.000 Euro in einen Anbau an das alte Elefantenhaus investiert worden.

    Widersprüchlich sind die Angaben von Bürgermeister Obert und Zoodirektorin Frau Dr. v. Hegel. Während im Brief des Bürgermeisters steht: „Die Sicherheitssituation für das Elefantenpflegerteam verbessert sich durch die geplanten Einbauten deutlich“, findet sich in der Antwort des Zoos kein solcher Hinweis: „Unser…Anbau… dient ausschließlich einer Verbesserung der Haltungsbedingungen während der Wintermonate.“Sollten keine fernbedienbaren Tore vorgesehen sein, würde der Ausbau nicht den Forderungen der Fachgruppe des EAZA Elephant TAG entsprechen: „ New / renovated enclosures should be constructed in such a way that it is possible to handle elephants by protected contact“ (EAZA Elephant TAG, 2004)

    Weiter heißt es im Antwortschreiben des Zoos: „ Sollten weitere bauliche Veränderungen im Hinblick auf das Handling der Tiere…notwendig sein, hat der Karlsruher Zoo bisher immer eine Lösung gefunden.“
    Das Problem an dieser Einstellung ist, dass ein Umbau nach einem Angriff viel zu lange dauert und die Tierpfleger in eine unzumutbare und lebensgefährliche Situation bringt. Erinnert sei daran, dass nach dem Unfall in Augsburg der einzige Pfleger, der noch mit allen Elefanten umgehen konnte, fünf Wochen lang ohne freien Tag bis zum Abtransport der Afrikaner durcharbeiten musste!
    Zudem kostet ein neuerlicher Umbau deutlich mehr Geld, als gleich bei der Erstausstattung die Tore fernbedienbar auszuführen. Das ist gerade im Hinblick auf die finanzielle Lage der Stadt Karlsruhe zu kurz gedacht.

    Der von der Zoodirektorin  angesprochene Punkt 3 bezieht sich auf den verstärkten Hakeneinsatz des Pflegerteams, speziell seit den jüngsten Personalwechseln im Elefantenrevier. Die personellen Wechsel sind dokumentiert und nachvollziehbar, die Tatsache, dass etliche Angriffe weltweit verstärkt nach Pflegerwechsel stattfanden und –finden ebenso. Zur Verdeutlichung des „unterstützenden Einsatzes“ des Elefantenhakens haben wir stellvertretend ein paar Fotos eingestellt (alle Bilder: Archiv EEG).

    Im Widerspruch zu der verharmlosenden Darstellung auf unsere Fragen hin steht auch, dass der Zoo dem Besucher gegenüber sehr wohl auf die Gefährlichkeit aller Elefanten hinweist – und somit die Notwendigkeit zur Dominanz der Pfleger als Superalphas und zur Bestrafung zu begründen versucht, „…gegebenenfalls auch durch Einsatz eines Elefantenhakens oder der Peitsche…“ (s. Foto)

    Allerdings lassen sich viele Elefanten auch durch brutalen Hakeneinsatz nicht auf Dauer unter Kontrolle bringen. So wurde von mehreren Personen unabhängig voneinander beobachtet, dass Einzeltiere in Karlsruhe Kommandos trotz Hakeneinsatzes nicht ausführten oder dass mehrfach die Elefantenvorführungen ohne Begründung abgesagt wurden bzw. oft nur bei Anwesenheit des Revierleiters durchgeführt werden. Zusätzliche Gefahr droht durch Auseinandersetzungen innerhalb der Herde: trotz Eingreifen der Pfleger wurde die betagte Kuh „Rani“ bei einer Auseinandersetzung mit „Jenny“ umgestoßen und musste wochenlang am Vorderbein behandelt werden.

      Kontakt

      Elefanten-Schutz Europa e.V.
      – Geschäftsleitung –

      Frau Dr. Christiane Marsch
      Forlenweg 29
      76149 Karlsruhe
      Deutschland

      +49 151 70875998 (ab 20 Uhr)
      info@elefanten-schutz-europa.de

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