Nordamerikanische Zoos importieren 17 Afrikanische Elefanten zur Bestandsaufstockung ohne Gerichtsbeschluss abzuwarten

Im März 2016 wurde bekannt, dass der Zoo Dallas, der Sedgwick County Zoo in Wichita, Kansas sowie  der Henry Doorly Zoo in Omaha, Nebraska trotz weltweiter Proteste von Tierschützern und namhaften Elefantenforschern 17 Elefanten, die zwischen 6 und 25 Jahre alt sein sollen, aus einem privaten Reservat in Swasiland importiert haben. http://news.nationalgeographic.com/2016/03/160309-swaziland-zoos-african-elephants-transfer/

Obwohl für Mitte März ein Gerichtstermin anberaumt und somit noch keine Entscheidung bzgl. der Importgenehmigung gefallen war, schufen die Zoos Anfang des Monats Fakten. Die 17 Elefanten - ein Weibchen war bereits in der Eingewöhnungsphase verstorben - wurden sediert und in Transportkisten verpackt. Die US-Gerichte wurden dann mit dem Hinweis konfrontiert, dass ein nochmaliges Ausladen und neuerliches Vorbereiten für einen Transport nach dem geplanten Gerichtstermin für die Elefanten lebensbedrohlich sei. Um das Tierwohl nicht noch mehr zu gefährden, sahen die Behörden daraufhin von einer Intervention ab, die Tiere gelangten anschließend mit dem Flugzeug in die USA.

Unser Verein und insbesondere der wissenschaftliche Beirat sehen den gesamten Vorgang aus mehreren Gründen kritisch:

  1. Die Gerichtsentscheidung hätte in jedem Fall abgewartet werden müssen 
  2. Es wurden keine vollständigen Familiengruppen exportiert, so dass neben den ohnehin zerrissenen Bindungen zwischen exportierten und zurückbleibenden Elefanten auch die Sozialstruktur innerhalb der Exportgruppen unzureichend ist. Die traumatischen  und u.U. lebenslang andauernden Folgen solcher Aktionen für Elefanten sind bekannt und im Sinne des Tierwohls abzulehnen.
  3. Die Natur im Herkunftsgebiet wird aufgrund solch geringer Bestandsverringerungen, welche dazu noch vorrangig juvenile Elefanten betrifft, kurzfristig kaum und langfristig überhaupt nicht entlastet. Bereits 2003 importierten drei US-Zoos 11 Elefanten aus Swaziland aufgrund einer angeblichen Überpopulation. Dass es bereits 12 Jahre später erneut zu viele Elefanten geben soll, zeigt, wie wirkungslos kurzfristige Bestandsverringerungen sind.
  4. Das Elefantenmanagement in den Naturparks in Swaziland ist hochgradig fragwürdig. Die Elefanten leben dort in eingezäunten Gehegen, die nur einen kleinen Teil der Gesamtfläche der Parks ausmachen. Elefanten gehören zur Afrikanischen Savanne dazu und zerstören ihren Lebensraum und den anderer Tiere nicht, auch nicht im Falle von Dürreperioden. Die Probleme in Swaziland beruhen allein auf der Tatsache, dass das Parkmanagement keine natürliche Elefantenpopulation haben will, sondern aus nicht nachvollziehbaren Gründen den Elefanten nur einen kleinen Teil der Parks zur Verfügung stellt. Die natürliche und beste Lösung für die Elefanten sähe so aus, den Elefanten in Swaziland größere Flächen zu geben, um den Tieren natürliches Verhalten und Wanderungen zu ermöglichen. Auf größeren Flächen regelt sich die Populationsdichte von Elefanten von alleine.
  5. Durch den Import und die entsprechenden Fehlinformationen („Room for rhinos“) unterstützen die US-Zoos die elefantenfeindliche Management-Strategie der Big Game Parks und verbreiten in der Öffentlichkeit das biologisch falsche Bild einer Elefantenüberpopulation. Dabei ist es Unsinn, dass die Elefanten Swaziland verlassen müssen, um Platz für bedrohte Nashörner zu schaffen, denn die Elefanten bewohnen in den Parks in Swaziland sowieso nur kleine, eingezäunte Gebiete.
  6. Behauptungen, die Tiere hätten ohne Export getötet werden müssen, sind falsch. Reservate, die die 18 Swaziland-Elefanten aufgenommen hätten, waren gefunden und den Behörden bekannt gegeben worden.
  7. Der Import von 17 Elefanten reicht  nicht aus, um die nordamerikanische Zoo-Afrikanerpopulation ausreichend zu stabilisieren, zumal eine Studie (Töffels & Garaї , in Vorbereitung) gezeigt hat dass nur ein Drittel der eingeführten, ehemals wilden, Elefanten in Zoos reproduzieren. Da der Grund für das vorhersagbare Zusammenbrechen des SSP-Bestandes in fehlgeleitetem Management bzw. unzureichender Kooperationsbereitschaft zwischen den Haltern zu suchen ist, ist ein neuerlicher Import von Elefanten nicht zu verantworten: 

Trotz eines zur Zucht günstigen Ausgangsbestandes wurden durch ungeeignete Prioritätensetzung - mangelnder Ausbau von Zuchteinrichtungen, stattdessen vermehrte Bemühungen zur künstlichen Besamung - in den letzten 20 Jahren viel zu wenig erfolgreiche Geburten erzielt.

    Abgesehen von den nicht tragbaren Auswirkungen auf die Importtiere ist es eine sehr bedenkliche Entwicklung, wenn Zoos heute noch versuchen, Versäumnisse aus der Vergangenheit mit Importen aus den natürlichen Vorkommensgebieten zu kompensieren. Da die Probleme - die falsche Ausrichtung von Managementstrategien und fehlende Zusammenarbeit unter den Haltern - weiterhin bestehen, halten wir es für nicht vertretbar, auf neue Wildfänge zurückzugreifen.

    Im Elefanten-Magazin 27/2015 beschäftigten wir uns ausführlich mit dem Populationsmanagement Afrikanischer Elefanten im EEP-Raum.

    Auch im EEP geben die Bestandsentwicklungen Afrikanischer Elefanten Anlass zur Sorge. Deshalb ist ein vergleichbares Vorhaben für europäische Zoos zukünftig nicht auszuschließen, ungeachtet der Tatsache, dass sämtliche wissenschaftlichen Quellen sich gegen neuerliche Importe von Wildfängen aussprechen..

    Weitere Informationen finden Sie  auch unseren Beitrag bezüglich der Diskussionen über zukünftige Importe Afrikanischer Elefanten nach Europa im Elefanten-Magazin 27/2015 auf Seite 66.

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