Spaziergänger in Baden-Württemberg von Zirkuselefant getötet

Am 13. Juni 2015 entkam die ca. 31-jährige Afrikanische Elefantenkuh "Baby"/ "Benjamin" vom Zirkus Luna bzw. Zirkus Frankordia (Direktion Familie Frank) am frühen Morgen vom Zirkusgelände in Buchen (Baden-Württemberg) und tötete einen unbeteiligten Passanten. Um eine Beschlagnahme durch die Behörden zu vermeiden, gab der Zirkus die Elefantenkuh am Tag nach dem Vorfall an den Safaripark Stukenbrock ab, wo jetzt insgesamt vier Afrikanische Elefanten gehalten werden.

Wie es genau dazu kommen konnte, dass "Baby" unbeaufsichtigt ihr Stallzelt verlassen konnte, wird jetzt von Polizei und Staatsanwaltschaft untersucht. Noch ist unklar, ob Versäumnisse seitens des Zirkuspersonals oder ein Einwirken Dritter eine Rolle gespielt haben. Es ist auch möglich, dass sich das Tier selbst befreien konnte.

Ausbrüche von Zirkuselefanten sind in europäischen Zirkussen nicht selten. Nur drei Tage nach der tödlichen Attacke von "Baby" tauchte im dänischen Svenstrup ein entlaufener Zirkuselefant auf einem Kinderspielplatz auf. Meistens gibt es bei solchen Vorfällen nur Sachschaden, aber der Todesfall in Buchen ist kein Einzelfall: so starb im September 2013 in der Nähe von Paris ein 84-jähriger Mann durch die Attacke eines entlaufenen Zirkuselefanten.

In den allermeisten Fällen sind Elefantenausbrüche nicht von Dritten verschuldet,  sondern ein Zusammenwirken von Nachlässigkeit des Zirkuspersonals mit dem Umstand, dass Elefanten Wildtiere sind, die aufgrund ihrer Körperkraft (ein erwachsener Elefant wiegt ca. 3-4 Tonnen!) unter den Bedingungen eines reisenden Zirkus niemals sicher gehalten werden können. Gehegeabsperrungen, die stark genug sind, Tiere dieser Größe sicher zu beherbergen, können nicht transportiert werden. In den meisten deutschen Zirkussen stehen Elefanten deshalb tagsüber hinter einem dünnen Zaun aus Elektrodraht, obwohl lange bekannt ist, dass solche Zäune für Elefanten nicht ausbruchssicher sind!

Auch von "Baby" sind zwischen 2001 und Januar 2015 sechs Ausbrüche und ein  Ausbruchsversuch, teilweise mit Sachschaden, dokumentiert - ohne dass Einwirken Unbeteiligter eine Rolle gespielt hätte. Ihre Aggressivität gegenüber Menschen ist ebenfalls lange bekannt: Seit dem Jahr 2000 wurden mindestens vier Zirkusbesucher durch sie z.T. schwer verletzt. 2010 verletzte sie einen Familienvater so schwer, dass dieser eine Niere verlor und im künstlichen Koma lag. Die Gefährlichkeit von "Baby" wurde von der Familie Frank trotzdem stets geleugnet und von den Behörden  trotz zahlreicher Warnungen u.a. vom Verein Elefanten-Schutz-Europa bis zu der tödlichen Attacke ignoriert, u.a. deshalb, weil ein Gutachten eines Verhaltensforschers, der für seine unkritische Einstellung gegenüber Zirkussen "berüchtigt" ist, den Elefanten trotz aller Warnzeichen als harmlos und hervorragend sozialisiert eingestuft hatte.

"Baby" lebt jetzt in einem Zoo in einem sicheren Gehege unter besseren Haltungsbedingungen, als es irgendein reisender Zirkus bieten kann und stellt keine Gefahr mehr für Zirkusbesucher oder Passanten dar. Zudem hat sie nach mehr als einem Jahrzehnt der Einzelhaltung endlich wieder Artgenossen zur Gesellschaft. Die Gefahr durch die nach "Baby´s" Abgabe im Reisebetrieb verbleibenden ca. 50 anderen deutschen Zirkuselefanten besteht jedoch fort. Ein Vorfall wie am 13. Juni 2015 in Buchen kann sich mit einem anderen Zirkuselefanten jederzeit wiederholen. 

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