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Elefanten-Schutz Europa e.V.

ELEFANTEN-SCHUTZ EUROPA E.V.

European Elephant Group

EUROPEAN ELEPHANT GROUP

Dokumentation 2002 - Elefanten in Zoos und Safariparks Europa; (auch in
(English Version)

Elefanten-
Magazin Nr. 16
Dez. 2009

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Survey 2006



ELEFANTEN-SCHUTZ EUROPA e.V.

Elefanten-Schutz Europa e.V. / European Elephant Group


Hilfe für Mausi


(Foto: Archiv EEG)

Seit seiner Gründung liegt dem Verein ELEFANTEN-SCHUTZ EUROPA e.V.  das Schicksal von Circuselefanten ganz besonders am Herzen, sowohl im Hinblick auf deren gesamte Population als auch auf den tierschützerischen Aspekt im Einzelfall. Wo immer möglich, dokumentieren unsere Vereinsmitglieder die untragbaren Haltungsumstände, unter denen die intelligenten Tierriesen auch heute noch kommerziell genutzt werden und versuchen, sowohl das Publikum als auch die zuständigen Behörden für die fortdauernden Probleme und Leiden von Circuselefanten zu sensibilisieren.

Seit langem ist unserem Verein die Elefantenkuh „Mausi“ des erst Ende der 1990er Jahre gegründeten Circus Voyage bekannt. „Mausi“ ist mittlerweile der Elefant mit dem wohl schlechtesten Gesundheitszustand in einem deutschen Circus. Ihr Schicksal kann durchaus als beispielgebend für andere Vertreter ihrer Art in kommerzieller Nutzung angesehen werden:

Die ca. 25jährige Afrikanerin wurde etwa einjährig nach Europa importiert, wie alle ihre Artgenossen im Circus. Sie weist die für fast alle Elefanten mit ihrer Lebens- und Leidensgeschichte typische Kleinwüchsigkeit auf und zeigt Verhaltensstörungen (das so genannte „Weben“).

Selbst für Laien unübersehbar ist aber ihre massive körperliche Behinderung. „Mausi“ kann die Hinterbeine kaum mehr richtig heben, zieht meist sogar eines davon über den Boden nach – seit Jahren schon. Ebenfalls schon vor Jahren wurde bei ihr schwere Arthrose mit Deformierungen der Hinterbeine festgestellt – eine chronische, nicht heilbare, sondern voranschreitende Verschleißerkrankung. Seit Ende 2008 darf die Afrikanerin deshalb nicht mehr in der Manege vorgeführt werden, steht beschäftigungslos im Circus. „Mausi“ wird somit nicht einmal im Sinne der  untragbaren Circusleitlinien täglich verhaltensgerecht beschäftigt und erleidet als chronisch krankes Tier fortdauernde Schmerzen und Leiden aufgrund ihrer Mitführung im Reisebetrieb.

Unser Verein lässt seit Jahren nichts unversucht, bei den zuständigen Veterinärämtern Verständnis für diese – eigentlich nicht zu übersehenden – Leiden des Tieres zu wecken. Schon 2007 bestand eine Abgabeverfügung für „Mausi“ , damals noch gemeinsam mit ihrer einzigen, ebenfalls gesundheitlich angeschlagenen Sozialpartnerin „Anja“, doch an keinem der  mehr als 30 Gastspielorte pro Jahr sahen sich die jeweiligen Amtstierärzte aufgerufen oder in der Lage, tätig zu werden. „Keine Beanstandungen“ lautete stattdessen zumeist das Urteil.

Dabei sollte die Summe der oben geschilderten Zustände ausreichen, um jedes einzelne Veterinäramt zum  Handeln zu zwingen, auch ohne das noch in weiter Ferne befindliche gesetzliche Wildtierverbot in Circussen. Als Garanten des Tierschutzes wären sie verpflichtet, einen chronisch kranken Elefanten aus einer tierquälerischen in eine tiergerechte Lebenssituation zu überführen, so wie sie es bundesweit z.B. Monat für Monat im Bedarfsfall etlichen Haustieren in vergleichbarer Situation zuteil werden lassen.

Da die Einziehung derart großer Wildtiere schon allein an einem fehlenden Aufnahmezoo und fehlenden Transportmöglichkeiten scheitern kann, ist ELEFANTEN-SCHUTZ EUROPA e.V. sehr froh, hier Unterstützung aus Zookreisen gewonnen zu haben: Mit dem Zoologischen Garten Osnabrück  war eine geeignete Unterbringung für „Mausi“ gefunden samt fester Zusage der Direktorin Frau Dr. Susanne Klomburg, die zugleich eine erfahrene Fachtierärztin für Zoo- und Wildtiere ist. Ein elefantenerfahrenes Transportunternehmen stand auf Anfrage unseres Vereins abrufbereit zur Verfügung, sogar eine Kostenübernahmeerklärung durch zwei große Tierschutzorganisationen liegt vor.

Siehe auch Videoclip 1   und Videoclip 2

Gemeinsam mit der Berliner  Initiative für ein Wildtierverbot in Zirkussen versuchten die Vertreter von ELEFANTEN-SCHUTZ EUROPA e.V., zur Jahreswende 2009/2010 das Bezirksamt Charlottenburg - Wilmersdorf von Berlin bei dem Vorhaben zu unterstützen, „Mausi“ einen tiergerechten Lebensabend in einem guten Zoo zu ermöglichen:


(Foto: Archiv EEG)

Doch statt „Mausi“ auf der oben genannten Grundlage einzuziehen, konnte auch die Veterinär- und Lebensmittelaufsicht Charlottenburg - Wilmersdorf keine Gründe zur Beanstandung von „Mausis“ Haltung erkennen. Statt klarzustellen, dass ein chronisch krankes, nicht einmal mehr zur Vorführung geeignetes Tier keinesfalls mehr zur Mitführung im Reisebetrieb geeignet ist,  wurde als letzter Ausweg, um trotz erdrückender Beweislast nicht vollziehen zu müssen, ein circusnaher Sachverständiger gefunden. Dieser sollte klären, ob ein weiterer Verbleib der schwer angeschlagenen Elefantenkuh im Circus noch tragbar sei und so fand auch er Gründe, nach denen „Mausi“ angeblich in einem guten Zoo eine weniger positive Zukunft zu erwarten hätte als in ihrer bisherigen Lebenssituation: Bessere Pflege als beim Circus Voyage könne sie lt. Aussage kaum erhalten, zudem sei die Afrikanerin seiner Meinung nach in der „stabilen“ Voyage-Herde so gut integriert, dass eine Herauslösung trotz aller körperlichen Beschwerden nicht zu empfehlen sei.

Heutzutage argumentieren nur noch Sachverständige ohne Wissen um die Freilandethologie der Rüsseltiere aus diesem Blickwinkel des vorigen Jahrhunderts. Der besagte Gutachter ist, trotz 30jähriger tierärztlicher Tätigkeit im Zoo Berlin bis 2002, aber ohne eigene Freilanderfahrung mit Elefanten, nach eigenen Aussagen ein erwiesener Circusfreund und Verfechter der Wildtierhaltung in Circussen. Rund 60 Prozent des momentanen Wissens über die intelligenten Riesen der Tierwelt sind aber erst in den letzten zehn bis 15 Jahren ermittelt worden, vor allem im Zuge der Feldforschung.

Elefanten im Circus bilden keine Sozialverbände wie im Freiland, wie man heute weiß.  Konkrete Beobachtungen und Videoaufnahmen von der Elefantengruppe des Circus Voyage bestätigen dies einmal mehr auch konkret für deren Haltung: Obwohl mit ihr noch vier weitere Elefantenkühe im Circus Voyage leben, ist „Mausi“ seit dem Tod ihrer einzigen engen Sozialpartnerin „Anja“ im September 2008 sozial isoliert – ein schon für sich genommen unerträglicher Zustand für einen dieser, in der Natur komplex organisierte Familienverbände bildenden, Dickhäuter.

Frau Dr. Marion E. Garaї hat soviel Erfahrung mit wildlebenden Afrikanischen Elefanten wie nur wenige andere Wissenschaftler weltweit. Die promovierte Zoologin hat zudem jahrelang das Verhalten von Elefanten in Menschenhand studiert. Ihre Untersuchungen fanden in Circussen und Zoos wie Zürich und Berlin, in der Pinnawela Orphanage auf Sri Lanka oder auch an Waisen der legalisierten „culling“-Abschüsse im Süden Afrikas statt und setzen Freiland- und Gefangenschaftserkenntnisse zueinander in Beziehung.

Ihre Expertise zur Afrikanerkuh „Mausi“ vom Circus Voyage ist nachfolgend wiedergegeben und skizziert ein ebenso eindrucksvolles wie erschütterndes Bild der Haltungsumstände dieses Elefanten, vor denen Amtstierärzte bundesweit nach wie vor ihre Augen verschließen.

Danksagung: Unser besonderer Dank gilt Frau Dr. Marion E. Garaї für ihren höchst engagierten Einsatz für die Elefanten im allgemeinen und für „Mausis“ Wohlergehen im besonderen sowie für das freundliche Zurverfügungstellen ihres Gutachtens.

Weiterhin sei Frau Dr. Susanne Klomburg für ihre Bereitschaft, etwaige eingezogene, auch gehandicapte Afrikanische Circuselefanten im Zoo Osnabrück einzustellen, recht herzlich gedankt.

Expertise zur Afrikanerkuh „Mausi“ vom Circus Voyage,

Videoclip 1   und Videoclip 2


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