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Hilfe
für Mausi

(Foto: Archiv EEG)
Seit
seiner Gründung liegt dem Verein ELEFANTEN-SCHUTZ EUROPA e.V. das Schicksal von
Circuselefanten ganz
besonders am Herzen, sowohl im Hinblick auf deren gesamte Population
als auch
auf den tierschützerischen Aspekt im Einzelfall. Wo immer
möglich,
dokumentieren unsere Vereinsmitglieder die untragbaren
Haltungsumstände, unter
denen die intelligenten Tierriesen auch heute noch kommerziell genutzt
werden
und versuchen, sowohl das Publikum als auch die zuständigen
Behörden für die
fortdauernden Probleme und Leiden von Circuselefanten zu
sensibilisieren.
Seit
langem ist unserem Verein die Elefantenkuh „Mausi“
des erst Ende der 1990er
Jahre gegründeten Circus Voyage bekannt.
„Mausi“ ist mittlerweile der Elefant
mit dem wohl schlechtesten Gesundheitszustand in einem deutschen
Circus. Ihr
Schicksal kann durchaus als beispielgebend für andere
Vertreter ihrer Art in
kommerzieller Nutzung angesehen werden:
Die
ca. 25jährige Afrikanerin wurde etwa einjährig nach
Europa importiert, wie alle
ihre Artgenossen im Circus. Sie weist die für fast alle
Elefanten mit ihrer
Lebens- und Leidensgeschichte typische Kleinwüchsigkeit auf
und zeigt
Verhaltensstörungen (das so genannte
„Weben“).
Selbst
für Laien unübersehbar ist aber ihre massive
körperliche Behinderung. „Mausi“
kann die Hinterbeine kaum mehr richtig heben, zieht meist sogar eines
davon
über den Boden nach – seit Jahren schon. Ebenfalls
schon vor Jahren wurde bei
ihr schwere Arthrose mit Deformierungen der Hinterbeine festgestellt
– eine
chronische, nicht heilbare, sondern voranschreitende
Verschleißerkrankung. Seit
Ende 2008 darf die Afrikanerin deshalb nicht mehr in der Manege
vorgeführt
werden, steht beschäftigungslos im Circus.
„Mausi“ wird somit nicht einmal im
Sinne der untragbaren
Circusleitlinien
täglich verhaltensgerecht beschäftigt und erleidet
als chronisch krankes Tier
fortdauernde Schmerzen und Leiden aufgrund ihrer Mitführung im
Reisebetrieb.
Unser
Verein lässt seit Jahren nichts unversucht, bei den
zuständigen Veterinärämtern
Verständnis für diese – eigentlich nicht zu
übersehenden – Leiden des Tieres zu
wecken. Schon 2007 bestand eine Abgabeverfügung für
„Mausi“ , damals noch
gemeinsam mit ihrer einzigen, ebenfalls gesundheitlich angeschlagenen
Sozialpartnerin „Anja“, doch an keinem der mehr als 30 Gastspielorte
pro Jahr sahen sich die jeweiligen
Amtstierärzte aufgerufen oder in der Lage, tätig zu
werden. „Keine
Beanstandungen“ lautete stattdessen zumeist das Urteil.
Dabei
sollte die Summe der oben geschilderten Zustände ausreichen,
um jedes einzelne
Veterinäramt zum Handeln
zu zwingen,
auch ohne das noch in weiter Ferne befindliche gesetzliche
Wildtierverbot in
Circussen. Als Garanten des Tierschutzes wären sie
verpflichtet, einen chronisch
kranken Elefanten aus einer tierquälerischen in eine
tiergerechte Lebenssituation
zu überführen, so wie sie es bundesweit z.B. Monat
für Monat im Bedarfsfall
etlichen Haustieren in vergleichbarer Situation zuteil werden lassen.
Da
die Einziehung derart großer Wildtiere schon allein an einem
fehlenden
Aufnahmezoo und fehlenden Transportmöglichkeiten scheitern
kann, ist
ELEFANTEN-SCHUTZ EUROPA e.V. sehr froh, hier Unterstützung aus
Zookreisen
gewonnen zu haben: Mit dem Zoologischen Garten Osnabrück war eine geeignete
Unterbringung für „Mausi“
gefunden samt fester Zusage der Direktorin Frau Dr. Susanne Klomburg,
die
zugleich eine erfahrene Fachtierärztin für Zoo- und
Wildtiere ist. Ein
elefantenerfahrenes Transportunternehmen stand auf Anfrage unseres
Vereins
abrufbereit zur Verfügung, sogar eine
Kostenübernahmeerklärung durch zwei große
Tierschutzorganisationen liegt vor.
Siehe auch Videoclip 1 und
Videoclip
2
Gemeinsam
mit der Berliner Initiative
für ein
Wildtierverbot in Zirkussen versuchten die Vertreter von
ELEFANTEN-SCHUTZ
EUROPA e.V., zur Jahreswende 2009/2010 das Bezirksamt Charlottenburg -
Wilmersdorf
von Berlin bei dem Vorhaben zu unterstützen,
„Mausi“ einen tiergerechten
Lebensabend in einem guten Zoo zu ermöglichen:

(Foto: Archiv EEG)
Doch
statt „Mausi“ auf der oben genannten Grundlage
einzuziehen, konnte auch die
Veterinär- und Lebensmittelaufsicht Charlottenburg -
Wilmersdorf keine Gründe
zur Beanstandung von „Mausis“ Haltung erkennen.
Statt klarzustellen, dass ein
chronisch krankes, nicht einmal mehr zur Vorführung geeignetes
Tier keinesfalls
mehr zur Mitführung im Reisebetrieb geeignet ist, wurde als letzter Ausweg,
um trotz
erdrückender Beweislast nicht vollziehen zu müssen,
ein circusnaher
Sachverständiger gefunden. Dieser sollte klären, ob
ein weiterer Verbleib der
schwer angeschlagenen Elefantenkuh im Circus noch tragbar sei und so
fand auch
er Gründe, nach denen „Mausi“ angeblich in
einem guten Zoo eine weniger positive
Zukunft zu erwarten hätte als in ihrer bisherigen
Lebenssituation: Bessere
Pflege als beim Circus Voyage könne sie lt. Aussage kaum
erhalten, zudem sei
die Afrikanerin seiner Meinung nach in der
„stabilen“ Voyage-Herde so gut
integriert, dass eine Herauslösung trotz aller
körperlichen Beschwerden nicht
zu empfehlen sei.
Heutzutage
argumentieren nur noch Sachverständige ohne Wissen um die
Freilandethologie der
Rüsseltiere aus diesem Blickwinkel des vorigen Jahrhunderts.
Der besagte
Gutachter ist, trotz 30jähriger tierärztlicher
Tätigkeit im Zoo Berlin bis 2002,
aber ohne eigene Freilanderfahrung mit Elefanten, nach eigenen Aussagen
ein
erwiesener Circusfreund und Verfechter der Wildtierhaltung in
Circussen. Rund
60 Prozent des momentanen Wissens über die intelligenten
Riesen der Tierwelt
sind aber erst in den letzten zehn bis 15 Jahren ermittelt worden, vor
allem im
Zuge der Feldforschung.
Elefanten
im Circus bilden keine Sozialverbände wie im Freiland, wie man
heute weiß. Konkrete
Beobachtungen und Videoaufnahmen von
der Elefantengruppe des Circus Voyage bestätigen dies einmal
mehr auch konkret
für deren Haltung: Obwohl mit ihr noch vier weitere
Elefantenkühe im Circus
Voyage leben, ist „Mausi“ seit dem Tod ihrer
einzigen engen Sozialpartnerin
„Anja“ im September 2008 sozial isoliert
– ein schon für sich genommen
unerträglicher Zustand für einen dieser, in der Natur
komplex organisierte
Familienverbände bildenden, Dickhäuter.
Frau
Dr. Marion E. Garaї hat soviel Erfahrung mit wildlebenden Afrikanischen
Elefanten wie nur wenige andere Wissenschaftler weltweit. Die
promovierte
Zoologin hat zudem jahrelang das Verhalten von Elefanten in
Menschenhand
studiert. Ihre Untersuchungen fanden in Circussen und Zoos wie
Zürich und
Berlin, in der Pinnawela Orphanage auf Sri Lanka oder auch an Waisen
der
legalisierten „culling“-Abschüsse im
Süden Afrikas statt und setzen Freiland-
und Gefangenschaftserkenntnisse zueinander in Beziehung.
Ihre
Expertise
zur Afrikanerkuh „Mausi“ vom Circus Voyage ist
nachfolgend
wiedergegeben und skizziert ein ebenso eindrucksvolles wie
erschütterndes Bild
der Haltungsumstände dieses Elefanten, vor denen
Amtstierärzte bundesweit nach
wie vor ihre Augen verschließen.
Danksagung:
Unser besonderer Dank gilt Frau Dr. Marion
E. Garaї für ihren höchst engagierten Einsatz
für die Elefanten im allgemeinen
und für „Mausis“ Wohlergehen im besonderen
sowie für das freundliche
Zurverfügungstellen ihres Gutachtens.
Weiterhin
sei Frau Dr. Susanne Klomburg für ihre Bereitschaft, etwaige
eingezogene, auch
gehandicapte Afrikanische Circuselefanten im Zoo Osnabrück
einzustellen, recht
herzlich gedankt.
Expertise
zur Afrikanerkuh „Mausi“ vom Circus Voyage,
Videoclip 1 und
Videoclip
2
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