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Das Unfallproblem mit Elefantenkühen in Zoos eskaliert
Im Gegensatz zu anderen wehrhaften Wildtieren wird der
Elefant auch in Zoos nahezu ausnahmslos im direkten Kontakt zum
Menschen - zu den Pflegern - gehalten, dressiert und dominiert.
Unter diesen Vorzeichen wurde der Elefant haltungsbedingt zum gefährlichsten Wildtier in Zoo und Circus.
Hunderte von Menschen wurden in Zoo und Circus in den
letzten 150 Jahren durch Elefanten getötet oder schwer verletzt.
Durch Abschaffung der gefährlichen Elefantenbullen bzw. durch eine
veränderte, sichere Bullenhaltung glaubte man, das Problem
gelöst zu haben. Dies erwies sich jedoch als folgenschwerer
Irrtum.
Seit 1980 wurden nach unseren Recherchen in Zoos und Safariparks (Nachweise betreffen vornehmlich Europa und Nordamerika)
38 Menschen getötet und über 50 zum Teil schwer verletzt.
Unter den über 70 Elefanten, die diese Unfälle verursacht haben, waren
55 weibliche Tiere - ein Anteil von rund 75%.
Allein im Jahr 2001 kamen in europäischen Zoos
(Chester, Dvur Kralowe, London) 3 Pfleger durch Elefantenkühe ums
Leben. Zwei der an den tödlichen Angriffen beteiligten
Elefantenkühe "starben" kurz nach den Vorfällen.
Am 2. April 2002 verletzte die ca. 16-jährige Afrikanische
Elefantenkuh "Umtali" im Zoo Osnabrück den Pfleger Marcel
Köck schwer.
Jüngste Vorfälle in den USA:
Zoo Pittsburgh: Am 18. November 2002 tötete die Afrikanische Elefantenkuh “Moja” den Pfleger Mike Gatti im Zoo Pittsburgh.
Zoo Miami: Am 15. Dezember 2002 wurde der
Elefantenpfleger Michael Embury im Zoo Miami von der Afrikanischen
Elefantenkuh “Flora” angegriffen und schwer verletzt.
Elephant Sanctuary, Hohenwald: Am 21.07.2006 kam es
zu einem schweren und tödlichen Unfall, bei dem die
36-jährige Elefantenpflegerin Joanna Burke (8-jährige
Erfahrung mit Elefanten) von der 40-jährigen Burma-Elefantin
“Winkie” plötzlich attackiert und getötet wurde.
Jüngste Vorfälle in Europa:
Zoo Magdeburg, D: Am 10. Februar 2003 griff
im Zoo Magdeburg die ca. 35-jährige Afrikanische Elefantenkuh
“Arusha” ihren langjährigen Pfleger Thomas Rolle an
und schleuderte ihn in den ca. 2.70 m tiefen Betongraben. Thomas
Rolle kam mit Brüchen, schweren Prellungen und einem Schock davon.
Safaripark Beekse Bergen, NL: Am 19. Februar 2003
hingegen starb der erfahrene Elefantenpfleger Perry Haans im Safaripark
Beekse Bergen (NL) an den Folgen eines Angriffs der 16-jährigen
Afrikanischen Elefantenkuh “Erna”.
Tierpark Schönbrunn, Wien: Am 20. Februar 2005
wurde im Tiergarten Schönbrunn, Wien, der Erfurter
Elefantenpfleger Gerd Kohl von dem erst 4-jährigen, in Wien
geborenen Afrikanischen Elefantenbullen “Abu” angegriffen
und getötet. Das Beispiel “Abu” zeigt deutlich, dass
auch juvenile Tiere im Direkten Kontakt äußerst gefährlich werden können.
Tierpark Berlin-Friedrichsfelde, D: Laut
Pressemitteilung wurde der 56-jährige Elefantenpfleger Ingolf
Kastirke (arbeitet seit fast 40 Jahren im Zoo) am 30.09.2006 von der
26-jährigen Afrikanischen Elefantenkuh “Mafuta” im
Tierpark Berlin angegriffen. Ingolf Kastirke verlor dabei mehrere
Schneidezähne und erlitt mehrere Rippenbrüche und
musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Von der Tierparkleitung gab
es dazu keine offizielle Stellungnahme.
Die 2. Ausgabe des Elefanten-Magazins
widmet sich schwerpunktmäßig dem Thema “Unfälle
mit Elefanten in Zoos und fehlendes Sicherheits-Konzept. Die
Fortsetzung zu diesem Thema finden Sie im 3. Elefanten-Magazin.
Anmerkung:
In Circussen
(Europa/Nordamerika) wurden seit 1980 40 Personen von Elefanten
getötet und ca. 110 Personen teilweise schwer verletzt.
Die Dunkelziffer für Unfälle im Circus (und im Zoo), die
hinter den Kulissen stattfinden, ist noch weit höher
einzuschätzen.
Sicherheits-Konzept für Mensch und Elefant im Zoo
Fakt ist, dass in nahezu allen 150 Zoos und Safariparks
mit Elefantenhaltung in Europa ein ungefährdetes Arbeiten des
Pflegepersonals mit unkontrollierbar gewordenen Elefantenkühen
beim bisherigen Haltungssystem nicht gegeben ist
(4-5 Ausnahmen).
Deshalb wurden in den letzten Jahren von der European Elephant Group, Arbeitskreis im Verein ELEFANTEN-SCHUTZ EUROPA e.V.,
ein funktionelles Konzept ausgearbeitet, das beim Bau von
Elefanten-Stallungen und deren Verbindung zu Innen- und
Außengehegen eine gefahrlose Betreuung der Elefanten - von
männlichen wie weiblichen Tieren - durch die Pfleger
gewährleistet. Das Sicherheits-Konzept ist variabel und kann somit den grundlegenden Bauplanungen der Zoos und ihrer Architekten angepasst werden.
Fachkompetenz:
Die European Elephant Group verfügt weltweit
über die wohl umfangreichste Datensammlung zum Thema
Elefantenhaltung in Zoo und Circus (Elefantenbestände, Geburten,
Todesfälle, Unfälle, Haltungseinrichtungen, etc.). Vier
fundierte Dokumentationen zu diesen Themen wurden 1993, 1997, 1999 und 2000 herausgegeben.
Bereits 1985 konnte die European Elephant Group nachweislich erstmals
eine Konzeption für Innengehege mit Stallboxen in
Elefantenhäusern - und so die Abschaffung der Kettenhaltung -
vorstellen.

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