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Vorfall in Dresden mit Thabo Umasai
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Elefantenattacke im Dresdner Zoo – Fortsetzung eines
Debakels, das in 20
Jahren 40 Menschenleben forderte
Aktuelle
Hintergrundinformationen des Vereins
Elefanten-Schutz Europa e. V.
Dresden, 26.03.2010: Rund 40 Tote und mehr als 50 Schwerverletzte
durch Zooelefanten allein
zwischen 1982 und 2002 - der Angriff des gerade einmal
4jährigen Jungbullen gegen die ihn seit
frühester Kindheit dominierenden Pfleger war das
zwangsläufige Ergebnis des im Dresdner Zoo
praktizierten Umgangs mit Elefanten.
Dort setzt man noch immer auf einen ungeschützten
Umgang mit den Elefanten: Der Pfleger muss
dabei Herdenchef sein, sich jederzeit durchsetzen
können und Dominanz zeigen. Je brutaler diese
Dominanz exerziert wird, desto schneller entwickelt
sich beim Opfer aber ein Feindbild gegenüber
dem Menschen und umso früher wird er versuchen, sich
dagegen zu wehren – das traurige und
vorhersehbare Ergebnis ist nun leider auch in Dresden
eingetreten.

(Foto: Archiv EEG, Thabo-Umasai an 2 Beinen angekettet UND am Rüssel angebunden)
Fortwährende Kritik, doch keinerlei Umdenken: Die Praktiken des Elefantentrainings im Dresdner
Elefantenhaus wurden von unserem Verein mehrfach in
Wort und Bild dokumentiert. Diese
Veröffentlichungen sind die Grundlage auch für
entsprechende Kritik seitens weiterer
Tierschutzorganisationen und sind den Verantwortlichen
im Dresdner Zoo bekannt – ohne dass dies
leider zu einem kritischen Nachdenken über das eigene
Handeln bzw. zu Konsequenzen führte.
Der nun erfolgte Angriff war von Elefantenkennern
immer wieder als logische Folge des praktizierten
Elefantenmanagements in Dresden befürchtet worden:
Ständige Reglementierungen der Tiere und
übergroße Härte arten dort zur Tierquälerei aus und
aktivieren Aggressionspotenzial bei den
Rüsseltieren. Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen,
wo sich ein heranwachsender Jungbulle gegen
diese permanente Dominanz auflehnt und versucht, die
vom Menschen ausgeübte Unterdrückung
abzuschütteln.
Dies ist jedoch nichts anderes als das natürliche
Verhalten eines Wildtieres!
Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen – leidvolle
Erfahrungen aus der Praxis werden
ignoriert:
Die Erfahrungswerte sind durchaus vorhanden: In Zoos und Safariparks kamen nach
den
Recherchen unseres Vereins über einen Zeitraum von 20
Jahren (1982 – 2002) ca. 40 Tierpfleger
durch Elefanten im direkten Kontakt zu Tode, 70% davon
durch Elefantenkühe. Mehr als 50 weitere
Menschen erlitten dabei z.T. schwere Verletzungen –
und diese Unfallserie setzte sich in den vergangenen 7 Jahren fort, betroffen davon waren auch
deutsche Zoos.
Nur 5 Jahre zuvor hat ein ebenfalls erst 4jähriger
Afrikanischer Jungbulle im Zoo Wien seinen Pfleger
getötet und auch dort wurde Wert auf konsequente
Dominanzausübung gegenüber den Elefanten
gelegt, wurden Warnzeichen im Vorfeld des Angriffs
ignoriert.
Auch der Zoo Dresden musste bereits erfahren, dass der
Versuch, die intelligenten Riesen lebenslang
zu beherrschen immer wieder scheitert: Zusammen mit
Thabo-Umasais Mutter wurde 1992 eine
weitere junge Kuh namens Gustl importiert. Diese
setzte sich aber gegen das unnatürliche Dominanztraining der Menschen derart vehement zur
Wehr, dass Lebensgefahr bei ihrer Betreuung
ohne Schutzbarrieren bestand. Gustl musste – erst
9jährig, aber schon nach mehreren Angriffen auf
ihre Pfleger – bereits 1999 in einen Zoo ohne direkten
Kontakt zum Menschen abgegeben werden.
Wenn jetzt von Seiten des Dresdner Zoos argumentiert
wird, dass mit einem solchen Verhalten Thabo- Umasais zu diesem frühen Zeitpunkt nicht gerechnet
werden konnte, zeugt dies entweder von
tiergärtnerischer Inkompetenz oder dem verzweifelten
Versuch, die Öffentlichkeit von der eigenen
Verantwortung abzulenken. Und wenn man dann noch über
den angeblichen Übermut Thabo-Umasais
spekuliert, ist die Aussage
schlichtweg nicht ernst zu nehmen.
(Foto: Archiv EEG: selbst die alte und gebrechliche Schöpfi musste sich zum Abduschen noch
hinlegen)
Konsequenzen in Bezug auf den Umgang mit
den Tieren hat man aus diesen Erfahrungen leider nicht
gezogen – man sucht dann lieber schnell
nach einem anderen Halter für den nicht mehr bedingungslos
gehorchenden Pflegling – so wie jetzt für
Thabo-Umasai.
Isoliert und abgeschoben – das Schicksal
von Thabo-Umasai
Der Publikumsliebling ist mit seinen vier
Jahren immer noch ein Baby, das der Fürsorge seiner Mutter
und Familie bedarf.
Doch jetzt ist er vollends von Mutter und
Tanten isoliert, nur weil er einem natürlichen Verhaltensimpuls folgte – ein psychischer
Schock für so ein intelligentes und hochsoziales
Lebewesen!
Und er wird in die USA abgeschoben – in
den Zoo Pittsburgh. Doch die Zuchtsituation Afrikanischer
Elefanten in Nordamerika ist katastrophal:
Bei den dortigen Methoden ist für einen Elefantenjüngling
der Daseinszweck, als Samenspender für
künstliche Befruchtungen regelmäßig „abgemolken“ zu
werden, wahrscheinlicher als ein Leben im
Sozialverband nach dem Vorbild der Natur!
Ironischerweise geschieht dies dann evtl.
durch die gleichen Wissenschaftler, welche zu ihrem Ruhm
und vielleicht zur zeitweiligen
Attraktivitätssteigerung des Dresdner Zoos Thabo-Umasai selbst
seinerzeit durch künstliche Besamung zur
Welt geholfen gaben.
Jürgen Schilfarth, Vorsitzender des
Vereins Elefanten-Schutz Europa, stellt fest: „Die Dresdener Elefantenhaltung verkennt wider
besseres Wissen die arteigenen Bedürfnisse ihrer
Schützlinge. Trotz wissenschaftlicher
Leitung wird man in der Elbestadt somit den
Anforderungen einer biologischen, im
allgemeinen Sprachgebrauch „artgerechten“
Elefantenhaltung nicht gerecht und
versäumt es zudem, auch nur die grundlegendsten Sicherheitserfordernisse für die eigenen
Angestellten im Elefantenrevier einzuführen.“
Ein Konzept zur Weiterentwicklung der
Elefantenhaltung in Dresden mit dem Ziel, das Wildtier
Elefant in einem artgemäßen Sozialverband
zu pflegen, hat man jedoch bis heute nicht entwickelt.
Thabo hat seinen Zweck erfüllt und nun
wird er weitergereicht nach Übersee – trotz eines offiziell
existierenden Europäischen
Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für Afrikanische Elefanten, welches für
die Population in Europa offenbar keine
Perspektiven entwickeln und aufzeigen kann.
Dabei gibt es durchaus Haltungskonzepte,
die sowohl beste Pflege der Rüsseltiere als auch
weitgehende Sicherheit für die Pfleger
beinhalten:
Der stv. Vorsitzende von Elefanten-Schutz
Europa, Olaf Töffels, stellt klar: „Elefanten ohne
direkten Kontakt zum Menschen zu pflegen,
bedeutet keine Verringerung der Lebensqualität
für die betreffenden Tiere. Es bedeutet
vielmehr, auf die artgemäßen Bedürfnisse der größten Zoobewohner angemessen zu reagieren,
reduziert bei ihnen sogar Stress, da die Notwendigkeit
entfällt, sich dem Menschen unterordnen zu
müssen. Zudem bietet es den Elefantenpflegern die
Möglichkeit, ihre Schützlinge relativ
gefahrlos versorgen zu können, ohne dass ihre Familien
ständig um Leib und Leben der Betreffenden
bangen müssen.
Das mittlerweile erprobte und vielfach
bewährte Haltungssystem ohne direkten Pflegerkontakt
kann also beides – Sicherheit für die
Belegschaft und höchstes Pflegeniveau für die
rüsseltragenden Bewohner gewährleisten.
Einem wissenschaftlich geleiteten Zoo wie
Dresden stünde beides gut zu Gesicht.
Aussagen des Zoodirektors Karl-Heinz
Ukena, dies sei nicht möglich, lassen sich problemlos
widerlegen.“ (siehe hier).
Verein Elefanten-Schutz Europa e.V.
Jürgen Schilfarth
Olaf Töffels
1. Vorsitzender
stv. Vorsitzender
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