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Herkunft der Elefanten
1. „Momo“ und „La Grande“
In den Jahren 1988 -1990 importierte der niederländische Tierhändler van den Brink fast 40 Elefanten aus Burma, die u.a. an europäische Zoos, Safariparks und an den Circus Knie (4 Tiere) zum Preis von bis zu DM 100.000.— je Tier verkauft wurden. Von diesem Import kamen 3 Elefantenkühe in den Safaripark Saint Vrain in Frankreich, wo sie auch die französischen Namen „Momo“ („Maman“), „La Grande“ und „La Petite“ erhielten.
Ende 1997 erfuhr unser Vereinsmitglied, Jürgen Schilfarth, dass der Safaripark Saint Vrain die 3 Elefantenkühe wieder abgeben wollte bzw. musste. Zu dieser Zeit suchten europäische Circusse verzweifelt Asiatische Elefanten, da der Importstopp keinen Nachschub mehr zuließ. Herr Schilfarth kontaktierte deshalb die Besitzerin des Safariparks Saint Vrain und bat darum, die Tiere nicht an einen Circus abzugeben, um ihnen ein trostloses Manegenleben zu ersparen. In diesem Zusammenhang erfuhr Herr Schilfarth, dass sich bereits deutsche Circusse für den Ankauf gemeldet hatten. Außerdem stellte sich heraus, dass die 3 Elefantenkühe nicht im Besitz des Safariparks Saint Vrain waren, sondern immer noch im Eigentum des Tierhändlers van den Brink, der die Tiere jetzt an Zoos oder Circusse weiterverkaufen wollte. Stückpreis: DM 100.000.--, ein Preis, von dem der Tierhändler keineswegs abrücken wollte. Diese Informationen wurden von unserem Verein an Herrn Laszlo Török und Herrn Wiesinger (damals Besitzer des Safariparks Gänserndorf) weitergegeben. Da Gänserndorf zu dieser Zeit den Entschluss gefasst hatte, eine dringend notwendige Auffang- und Pflegestation (die einzige in Europa) für gefährdete Elefanten einzurichten, bestand eine kleine Chance, die Elefantenkühe aus Saint Vrain aufzunehmen, und damit den Ankauf durch einen Circus zu verhindern. Herrn Wiesinger und Herrn Török gelang es, mit dem Besitzer der Tiere, Herrn van den Brink, die Vereinbarung zu treffen, die 3 Elefantenkühe sofort in den Safaripark Gänserndorf zu transportieren. Damit war die Gefahr einer Circusübernahme zunächst abgewendet.
Die 3 Elefantenkühe trafen am 11. März 1998 im Safaripark Gänserndorf ein. Sie waren nach wie vor Eigentum des Tierhändlers van den Brink und standen zum Verkauf. Verschiedene interessierte europäische Zoos waren nicht bereit, den vom Tierhändler geforderten Stückpreis von DM 100.000.—zu bezahlen, obwohl es sich um wertvolle, vom Alter her (13-15 Jahre) für die Zucht besonders geeignete Tier handelte. Circusse waren sehr wohl bereit, die Elefantenkühe zum geforderten Preis anzukaufen. Schließlich räumte van den Brink dem Safaripark Gänserndorf ein befristetes Vorkaufsrecht ein. Unter großen finanziellen Anstrengungen gelang es dem Safaripark Gänserndorf, die Kaufsumme von DM 300.000.— für die Elefanten aufzubringen. Am 25. August 1998 wurde die Summe an den Tierhändler ausbezahlt. Damit gingen die 3 Elefantenkühe in den Besitz des Safariparks Gänserndorf über. Gänserndorf hat also unbestreitbar das Verdienst, die wertvollen Tiere vor einem drohenden, untragbaren Schicksal in einem Circus bewahrt zu haben.
„Momo“, „La Grande“ und „La Petite“ mussten jedoch nach ihrem Eintreffen in Gänserndorf zunächst in einer provisorischen Stallung mit nächtlicher Ankettung untergebracht werden, da das Elefantenhaus mit 6 großen Boxen noch im Bau befindlich war. Die kurzfristige Unterkunft in einem Provisorium war in diesem Fall jedoch eine weit bessere Lösung als ein lebenslanges Kettenleben im Circus. Untertags stand den 3 Elefanten bereits nach ihrer Ankunft in Gänserndorf ein rund 1 Hektar großes, mit Bäumen und Naturboden ausgestattetes Freigehege zur Verfügung (vergleichsweise dreimal so groß als die Elefanten-Außenanlage im Tiergarten Schönbrunn).
Die kleinste der Elefantenkühe, „La Petite“, stellte sich als gefährliches und gegenüber den beiden anderen Elefanten unverträgliches Tier heraus. Mit größter Vorsicht konnten jedoch die erfahrenen Pfleger Laszlo Török und Sebastian Scheifinger mit „La Petite“ umgehen.
Im Rahmen einer Zuchtkooperation hat Gänserndorf „La Petite“ dem englischen Zoopark Port Lympne (John Aspinall) für Zuchtzwecke kostenlos überlassen. Im Vorfeld wurde die Gefährlichkeit von „La Petite“ den Verantwortlichen in Port Lympne nachdrücklich geschildert (u.a. in einem persönlichen Gespräch unseres Vereinsmitglieds A. Haufellner mit dem Parkmanager Peter Litchfield). Nach dem Neubau eines Hauses für Elefantenkühe in Port Lympne war zu erwarten, dass dort auch gefährliche Elefantenkühe ohne direkten Pflegerkontakt gehalten werden können. Ein Pfleger beachtete jedoch offensichtlich die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen nicht und wurde von „La Petite“ getötet. Nach diesem tragischen Vorfall (Tod des Pflegers) wurde „La Petite“ an den Zoo Ramat Gan in Israel abgegeben (eine der weltweit erfolgreichsten Zuchtstätten für Elefanten), wo eine sichere Haltung ohne direkten Pflegerkontakt möglich ist. Mit dieser Entscheidung hatte der Safaripark Gänserndorf, dem man jetzt unterstellt, das Tier „abgeschoben“ zu haben, nichts zu tun, da „La Petite“ Eigentum des Zooparks Port Lympne war.
2. „Citta“ Die Asiatische Elefantenkuh „Citta“ wurde im September 2000 von Safaripark Gänserndorf aus dem Circus herausgekauft (DM 70.000.--). Ihr Vorbesitzer J. Quaiser hat das Tier Zoos und anderen Circussen zum Kauf angeboten. „Citta“ war noch im zuchtfähigen Alter und deshalb war der Tierpark Hagenbeck zuerst am Erwerb interessiert. Nach einer 10-tägigen „Probezeit“ im Tierpark Hagenbeck wurde „Citta“ an J. Quaiser zurückgegeben. Grund: Unverträglichkeit gegenüber anderen Elefanten und Aggressivität gegenüber dem Pflegerpersonal. Auch ein am Kauf von „Citta“ interessierter Circusbesitzer wurde von diesem auf seinen Vorbesitzer Quaiser geprägten Elefanten (18 Jahre in Einzelhaltung) über das Circusgelände gejagt und entging nur knapp einem schweren Unfall. Nur Laszlo Török und Sebastian Scheifinger gelang es in Gänserndorf, zu dem zweifellos gefährlichen und verhaltensgestörten Tier ein Vertauensverhältnis aufzubauen. Das Zusammenleben von „Citta“ mit den anderen Elefanten in Gänserndorf muss jedoch ständig überwacht werden.
3. „Motki“, „Tanja“ und „Yasmin“ Diese 3 Asiatischen Elefantenkühe lebten jahrelang im Zoopark Port Lympne, England. Zuletzt besaß dieser Park neben 2 Zuchtbullen 3 Weibchengruppen, die jedoch nicht zusammen gehalten werden konnten. Neben Platzproblemen waren es insbesondere Personalprobleme (zu wenige erfahrene Elefantenpfleger), die den Zoopark Port Lympne zwangen, eine Weibchengruppe (zu alt für die Zucht) abzugeben. Die Verantwortlichen in Port Lympne suchten deshalb einen guten Platz für eine bestmögliche Haltung und Betreuung von „Motki“, „Tanja“ und „Yasmin“. Sie kannten die gute Arbeit des Pflegerteams in Gänserndorf und die dortigen Anlagen und ersuchten deshalb um Aufnahme der 3 Elefanten. Niemals hätte das Management von Port Lympne die Tiere in eine unzureichende Haltung abgeschoben.
Haltung in Gänserndorf
Das Management in Gänserndorf hat ohne Zweifel in den letzten Jahren nicht so gearbeitet, wie man sich dies für eine professionelle Pflege- und Auffangstation für gefährdete Tiere gewünscht hätte. So fehlen bei den Elefantenanlagen nach wie vor Türsysteme, die einen gefahrlosen Umgang auch mit gefährlichen Elefanten zulassen. Ein Mangel, der übrigens auch in den meisten Zoos Europas noch zu beklagen ist. Die Beseitigung dieser Defizite in Gänserndorf wäre jedoch mit bescheidenen finanziellen Mitteln möglich.
Unbestrittene Verdienste für eine außergewöhnlich kompetente Elefantenhaltung erwarben sich in Gänserndorf jedoch Laszlo Török, Sebastian Scheifinger und ihr Team. Mit geringen finanziellen Mitteln wurde größtenteils in Eigenleistung eine vorbildliche Außenanlage von über 2 Hektar (20.000 m²) eingerichtet, in der nur noch das Badebecken fehlt. Auf diesem naturähnlichen Gelände können sich die Elefanten selbst pflegen, Suhlen graben usw. Der Pflegezustand der Elefanten ist deshalb nach dem Urteil unabhängiger Elefantenkenner ausgezeichnet. Zahlreiche Elefantenexperten aus ganz Europa haben diese Anlage besichtigt und gelobt, die in krassem aber positiven Gegensatz zu den meisten Zooanlagen steht.
Das Pflegerteam in Gänserndorf geht auch bei der Betreuung der Elefanten neue Wege. Bewusst verzichtet Laszlo Török und sein Team darauf, ständig Dominanz auf die Elefanten auszuüben, wie es leider in den meisten Zoos noch der Fall ist, z.B. auch im Tiergarten Schönbrunn, wo die Elefanten nach Anleitung amerikanischer Circustrainer trainiert wurden. Dr. Schwammer hat also keinen Grund, die Haltung in Gänserndorf mit unqualifizierten Äußerungen zu kritisieren. Im Interesse der betroffenen Menschen und Tiere muss von den Verantwortlichen ein seriöses Vorgehen gefordert werden.
Bei der Abgabe des Elefantenbestandes wird es sehr schwierig sein, adäquate Haltungseinrichtungen in Europa zu finden. Für die beiden jüngeren Elefantenkühe „Momo“ und „La Grande“ wäre eine Umsiedlung in die neue, sehr großzügige Elefantenanlage in Köln (Eröffnung Herbst 2004) sinnvoll. In jedem Fall sollte verhindert werden, dass die 3 Elefanten im Besitz von Gänserndorf von Circussen aufgekauft werden können (dies gilt nicht für die anderen 3 Elefantenkühe, die nach wie vor Eigentum des Zooparks Port Lympne, England, sind).
Es ist sehr bedauerlich, dass die Elefantenhaltung in Gänserndorf aufgelöst werden soll, da dort ein zukunftsweisendes Konzept für die Haltung und Betreuung der Tiere möglich wäre.
Die „Helfer“ aus dem Tiergarten Schönbrunn wären gut beraten, statt in Konfrontation in Kooperation Lösungen in Gänserndorf anzustreben, um die tatsächlich erste und einzige Auffangstation für gefährdete Elefanten und andere Tierarten zu erhalten und auszubauen. Es ist nur logisch, dass dies leichter zu bewerkstelligen ist, als irgendwo in Europa neue Areale zu erschließen. Gleichzeitig müsste auf ein kompetentes Pflegerteam verzichtet werden.
Ein mögliches Konkurrenzdenken oder andere Beweggründe sollten zugunsten der Tiere in den Hintergrund treten.
ELEFANTEN-SCHUTZ EUROPA e.V. Für den Vorstand Jürgen Schilfarth, Olaf Paterok, Alexander Haufellner |